Ich habe bereits eine private Krankenversicherung abgeschlossen. Lohnt sich eine zusätzliche Krankentagegeldversicherung für mich überhaupt?
Ja, unbedingt. In der privaten Krankenversicherung ist das Krankentagegeld kein automatischer Bestandteil des Versicherungsschutzes. Ohne eine separate Krankentagegeldversicherung erhalten Sie im Krankheitsfall zwar die Behandlungskosten erstattet, aber keinen Ersatz für Ihr entfallendes Einkommen.
Problemstellung/Grundlagen
Viele privat Versicherte glauben, dass ihre Krankenversicherung automatisch auch den Verdienstausfall bei Krankheit abdeckt. Das ist ein häufiger Irrtum. Die private Krankenversicherung übernimmt nur die medizinischen Kosten, nicht aber das entgangene Einkommen. Genau hier setzt die Krankentagegeldversicherung an.
Ohne Krankentagegeld müssten Sie Ihre laufenden Kosten wie Miete, Kredite, Versicherungsbeiträge oder Lebenshaltung aus Ersparnissen bezahlen und das kann bei längerer Krankheit schnell existenzbedrohend werden.
Warum eine separate Krankentagegeldversicherung wichtig ist
- Kein Einkommen ohne Arbeit: Selbstständige, Freiberufler und Arbeitnehmer mit PKV erhalten im Krankheitsfall kein Geld vom Arbeitgeber oder der Krankenkasse, wenn keine Krankentagegeldversicherung besteht.
- Individueller Leistungsbeginn: Sie können den Leistungsbeginn (z. B. ab dem 4., 8., 15. oder 43. Tag) selbst wählen und so die Absicherung an Ihre Rücklagen anpassen.
- Steuerfreie Leistung: Das private Krankentagegeld ist steuerfrei (§ 3 Nr. 1a EStG) und wird auch an Sonn- und Feiertagen gezahlt.
- Nahtloser Schutz: Mit Krankentagegeld sichern Sie die Zeit bis zur möglichen Berufsunfähigkeit oder zum Renteneintritt ab.
Typische Zielgruppen
Eine Krankentagegeldversicherung ist besonders wichtig für:
- Selbstständige und Freiberufler: Kein Arbeitgeber zahlt weiter. Das Krankentagegeld ist Ihre Einkommensquelle.
- Arbeitnehmer mit privater Krankenversicherung: Nach 6 Wochen Lohnfortzahlung endet der Anspruch auf Gehalt. Das Krankentagegeld fängt diese Lücke auf.
- GmbH-Geschäftsführer: Auch Geschäftsführer sind formal Arbeitnehmer, aber ohne gesetzlichen Krankengeldanspruch. Sie müssen ihr Krankentagegeld privat absichern.
Beispiel
Ein privat versicherter Arbeitnehmer mit 7.000 € Monatsgehalt wird länger krank:
- 6 Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.
- Ab Woche 7: kein Einkommen mehr ohne Krankentagegeldversicherung.
- Mit einer privaten Krankentagegeldversicherung von z. B. 186 € pro Tag wird 80% des Bruttogehalts ersetzt.
So vermeiden Sie finanzielle Engpässe bei längerer Krankheit.
Was bei Abschluss zu beachten ist
- Leistungsbeginn: Wählen Sie den Leistungsbeginn passend zu Ihrer finanziellen Reserve (z. B. ab dem 22. oder 43. Tag).
- Höhe des Tagegelds: Das versicherte Krankentagegeld darf Ihr durchschnittliches Nettoeinkommen nicht übersteigen.
- Anpassungsmöglichkeiten: Prüfen Sie, ob der Tarif eine Anpassung bei steigendem Einkommen ohne Gesundheitsprüfung erlaubt (z. B. innerhalb von 2 Monaten).
- Kombination mit BU: Ideal ist die Verbindung mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung, um lückenlosen Schutz zu gewährleisten.
Fazit/Handlungsempfehlung
Auch als privat Krankenversicherter brauchen Sie eine separate Krankentagegeldversicherung, um Ihr Einkommen bei Krankheit zu sichern. Ohne sie erhalten Sie im Krankheitsfall keine Lohn- oder Einkommensersatzleistung, nur die Arztrechnungen werden erstattet.
Empfehlung: Lassen Sie prüfen, ob Ihr bestehender PKV-Vertrag ein Krankentagegeld enthält. Falls nicht, schließen Sie es nachträglich ab oder passen Sie den Leistungsbeginn an Ihre Bedürfnisse an.