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Berufsunfähigkeit in Zahlen 2026: Was die Statistiken wirklich bedeuten

Viele fragen sich: Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung im Ernstfall wirklich? Im Internet gibt es dazu viele unterschiedliche Meinungen. Zwei große Untersuchungen liefern aktuelle Zahlen: die Umfrage des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und die BU-Leistungspraxisstudie 2026 von Franke und Bornberg mit mehr als 36.000 echten Fällen. Beide kommen zu ähnlichen Ergebnissen, aber sie messen nicht genau dasselbe. Deshalb sage ich immer, welche Zahl von welcher Quelle kommt.

Wichtig zum Verständnis der Zahlen: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Einzelne Versicherer können deutlich besser oder schlechter abschneiden. Außerdem zählen beide Studien unterschiedlich. Deshalb sind die Zahlen wertvoll, aber nicht eins zu eins vergleichbar.

Kurzer Hinweis vorab: Ich bin Versicherungskaufmann und arbeite als Ausschließlichkeitsvertreter für die ERGO Versicherung und die Deutsche Krankenversicherung. Dieser Text soll Ihnen helfen, die Zahlen besser einzuordnen. Er ersetzt keine persönliche Beratung.

Zahlt die Versicherung wirklich?

Ja, in den meisten Fällen. Laut GDV werden 80 von 100 Anträgen bewilligt. Franke und Bornberg kommen auf fast denselben Wert, knapp 80 Prozent. Das bedeutet aber nicht, dass jeder berechtigte Anspruch automatisch anerkannt wird, es ist die Quote der tatsächlich entschiedenen Fälle. Manche Anträge werden zurückgezogen oder nicht weiterverfolgt, weil es den Betroffenen wieder besser geht.

Franke und Bornberg haben 36.128 Fälle aus dem Jahr 2024 bei 16 Versicherern untersucht. Das sind mehr als 60 Prozent aller BU-Fälle in Deutschland.

Warum werden Anträge abgelehnt?

Der häufigste Grund: Der Versicherer sieht den vereinbarten Grad der Berufsunfähigkeit, meist 50 Prozent, nicht erreicht. Bei GDV war das 2023 bei 44 Prozent der Ablehnungen der Fall, bei Franke und Bornberg 2024 sogar bei fast 60 Prozent.

Warum Anträge abgelehnt werden (GDV, 2023)

BU-Grad nicht erreicht44 %
Keine Rückmeldung des Antragstellers25 %
Vorerkrankung nicht angegeben10 %
Anfechtung / Betrugsverdacht8 %
Verweisung auf anderen Beruf0,5 %

Quelle: GDV, "7 Fakten zur Berufsunfähigkeitsversicherung", Stand 12.08.2025. Konkrete und abstrakte Verweisung zusammengefasst (0,4 % + 0,1 %), gerundet dargestellt.

Weitere häufige Gründe laut GDV:

  • 25 Prozent: Der Antragsteller meldet sich nicht mehr zurück, oft, weil es ihm besser geht
  • 10 Prozent: Vorerkrankungen wurden beim Abschluss nicht angegeben
  • 8 Prozent: Anfechtung oder Betrugsverdacht
  • 2 Prozent: Ausschlussklauseln

Verweisung auf einen anderen Beruf? Das kommt extrem selten vor. GDV: Konkrete Verweisung nur in 0,4 Prozent der Ablehnungen, abstrakte Verweisung in 0,1 Prozent. Franke und Bornberg: Verweisung und Umorganisation zusammen nur 0,87 Prozent.

Vor Gericht landen nur sehr wenige Fälle, 2,1 Prozent laut GDV. Die meisten enden mit einem Vergleich.

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Wie lange dauert die Prüfung?

Hier unterscheiden sich die Zahlen stark, weil unterschiedlich gemessen wird. GDV: im Schnitt 110 Tage vom Antrag bis zur Entscheidung, sobald alle Unterlagen vorliegen oft nur noch 10 Tage. Franke und Bornberg: im Schnitt 201 Tage von der ersten Meldung bis zur endgültigen Entscheidung, 2024, mit steigender Tendenz.

Bei psychischen Erkrankungen dauert es besonders lange, oft 9 bis 10 Monate. Bei Unfällen und Verletzungen ist es etwas kürzer.

Vollständige und gut sortierte Unterlagen helfen. Aber vieles hängt auch von Ärzten, Kliniken und Gutachtern ab, nicht nur von Ihnen selbst.

Wie hoch ist das Risiko überhaupt?

Laut Deutscher Aktuarvereinigung (DAV, 2018) wird ungefähr jeder Vierte im Laufe seines Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig. Das gilt für Menschen, die privat abgesichert sind. Bei manchen Berufen ist das Risiko höher, etwa jeder Dritte, bei anderen niedriger, etwa jeder Fünfte.

Wichtig: Auch Bürojobs und akademische Berufe sind betroffen, vor allem durch psychische Erkrankungen. Ein vermeintlich sicherer Schreibtischjob schützt also nicht automatisch.

Die gesetzliche Absicherung reicht oft nicht

Wer vor dem 2. Januar 1961 geboren ist, hat noch einen gewissen Schutz durch die alte Regelung nach § 240 SGB VI. Für alle, die später geboren sind, also fast alle heutigen Berufstätigen, gilt die strengere Erwerbsminderungsrente. Hier zählt nicht, ob Sie Ihren bisherigen Beruf noch ausüben können, sondern ob Sie überhaupt noch irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben können.

Die gesetzliche Rente liegt oft bei weniger als einem Drittel des letzten Bruttogehalts. Deshalb schließen viele eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ab.

Die häufigsten Ursachen

Psychische Erkrankungen stehen klar an erster Stelle. GDV 2024: 38 Prozent, psychische Leiden und Nervensystem zusammengenommen. Franke und Bornberg 2024: 28,35 Prozent, nur psychische Erkrankungen. Danach kommen Krebs und Erkrankungen des Bewegungsapparats, etwa Rücken oder Gelenke.

Bei Frauen spielen psychische Erkrankungen eine größere Rolle, bei Männern eher Rücken- und Gelenkprobleme.

Long-COVID: Von über 300 untersuchten Fällen wurden 86 Prozent anerkannt, also sogar etwas besser als der Durchschnitt.

Ein Vorurteil zu psychischen Erkrankungen

Manche glauben, Menschen mit psychischen Erkrankungen würden im Verfahren besonders oft nicht mitarbeiten. Die Zahlen von Franke und Bornberg zeigen das Gegenteil: Bei psychischen Erkrankungen liegt der Anteil der Mitwirkungspflichtverletzungen an allen Fällen ohne Leistung nur bei 17 Prozent, einer der niedrigsten Werte unter allen untersuchten Krankheitsgruppen.

Das heißt nicht, dass 17 Prozent aller psychisch Erkrankten ihre Mitwirkungspflicht verletzen, sondern dass unter den Fällen, die aus anderen Gründen nicht zur Leistung führten, eine fehlende Mitwirkung bei dieser Krankheitsgruppe seltener eine Rolle spielt als bei den meisten anderen.

Wann ein früher Abschluss Vorteile hat

Neue Verträge werden im Schnitt mit 29 Jahren abgeschlossen. Die erste Berufsunfähigkeit tritt im Schnitt mit 48 Jahren ein, die Rente läuft dann oft rund 20 Jahre.

Wer früh abschließt, zum Beispiel als Schüler, Azubi oder Student, hat meist bessere Chancen auf günstige Konditionen und weniger Probleme mit Vorerkrankungen. Später gibt es oft keine neue Gesundheitsprüfung mehr, wenn man den Beruf wechselt oder die Rente erhöhen will.

Was bedeutet das alles für Sie?

Die Zahlen zeigen: Die meisten Anträge werden bewilligt, Verweisungen sind selten. Gleichzeitig dauert die Prüfung oft lange, besonders bei psychischen Erkrankungen, und die Quoten unterscheiden sich von Versicherer zu Versicherer.

Der Marktdurchschnitt sagt nicht, wie Ihr persönlicher Fall ausgeht. Wichtig sind vor allem der gewählte Versicherer und Tarif, die genauen Vertragsbedingungen und wie gut der Antrag vorbereitet ist.

Ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Sie sinnvoll ist und welcher Tarif passt, lässt sich nur in einem persönlichen Gespräch klären.

Jetzt persönlich klären lassen: Welcher Schutz zu Ihrer Situation passt, welche Fragen Sie beim Abschluss beachten sollten, und worauf es im Ernstfall wirklich ankommt.

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Häufige Fragen zur Berufsunfähigkeit in Zahlen

Wie viele BU-Anträge werden tatsächlich bewilligt?
Lehnen Versicherer häufig mit Verweisung auf einen anderen Beruf ab?
Wie lange dauert die Prüfung eines BU-Antrags?
Wie hoch ist das Risiko, berufsunfähig zu werden?
Lohnt sich ein früher Abschluss der BU-Versicherung?
Bodo Kopka - Experte für Krankentagegeld

Über den Autor

Bodo Kopka

Bodo Kopka ist Gründer von Krankengelder.com und gilt als führender Experte für Krankentagegeld in Deutschland. Seit über 40 Jahren berät er Selbstständige, Freiberufler und GmbH-Geschäftsführer zur finanziellen Absicherung bei Krankheit und Arbeitsunfähigkeit.

Sein Ziel: Einkommensausfälle vermeiden, Genesung ermöglichen, die wirtschaftliche Existenz schützen. Auf diesem Blog finden Sie über 500 Fachartikel rund um Krankentagegeld und intelligente Vorsorgestrategien.

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